Deutsche Fernschule INTERVIEW – Felicitas Endl

Ilonka Lindenhain Allgemein, DF


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Transkript des Videos

In Afrika habe ich zwölf Jahre gelebt – bis zu meinem zwölften Lebensjahr. Und zwischendurch waren wir immer im Heimataufenthalt für ein Jahr oder für die Sommerferien in Deutschland.

Also ich sehe das als Privileg, in Afrika aufgewachsen zu sein, in Tansania als Missionarskind, weil ich denke, ich hab dadurch schon einen erweiterten Horizont und hab schon mal über den Tellerrand geschaut.

Der Fernunterricht war für mich eine sehr gute Lernform – vielleicht sogar die beste Lernform, weil in großen Klassen – wie es hier in Deutschland üblich ist – , lasse ich mich immer sehr leicht ablenken. Und ich konnte mich besser konzentrieren im Fernunterricht. Wenn ich Unterricht alleine hatte oder mit wenigen Kindern zusammen.

Mein Papa, dem war immer sehr wichtig, dass wir nach Deutschland zurückkommen, um uns hier als Familie einzuleben, bevor wir Kinder schon so alt sind, dass wir ausziehen und vielleicht in einer anderen Stadt studieren. Das ist mir auch sehr wichtig. 

Ich finde es sehr positiv, dass meine Eltern so offen damit umgegangen sind. Ich war damals ja auch schon zwölf. Man hat ja schon alles verstanden und wusste: Okay, man wird hier wegziehen und nicht so schnell wiederkommen. Das hat glaube ich auch der ganzen Familie geholfen, bewusst Abschied zu nehmen.

Wir haben dann im letzten Jahr noch mal besonderen Urlaub gemacht. Wir durften uns – jedes Kind durfte sich ein Möbelstück aussuchen. Das sind so Sansibar-Kisten, die sind halt so besonders geschnitzt. Da haben uns dann auch unsere Eltern mitgenommen und jeder durfte sich wirklich seine aussuchen. Das ist immer noch etwas Besonderes.

Nach der Rückkehr, also als wir von Afrika wieder nach Deutschland gekommen sind, war das so im Umgang mit meinen Freunden eine große Veränderung, also die Freunde, die ich dann hier hatte, dass ich die ganzen Serien nicht kannte und die Slangwörter – ja besonders in der Sprache und den Gesprächsthemen habe ich schnell gemerkt, dass ich viel aufzuholen hatte oder nicht auf dem gleichen Stand war wie andere in meiner Klasse oder sonst wo in meiner Freizeit.

Ich war dann auch am Anfang wie so eine Attraktion und alle wollten wissen: „Okay, wie ist es in Afrika? Erzähl doch mal!“ Das konnte ich damals nicht als etwas Positives sehen. Ich wollte lieber so sein wie alle anderen, mich anpassen und möglichst nicht auffallen.

Ein paar Jahre später habe ich gemerkt, dass es anders für mich war, an einem Ort zu wohnen. In Afrika sind wir spätestens nach vier Jahren umgezogen. Deswegen war ich gar nicht gewohnt, Freundschaften auch mal länger als vier Jahre zu haben. 

Ich kann mir sehr gut vorstellen, noch einmal ins Ausland zu gehen. Ich kann mir auch vorstellen, im Ausland mal für längere Zeit zu arbeiten, so wie meine Eltern das gemacht haben. Vielleicht nicht gleich dreizehn Jahre, so lange, wie die im Ausland waren, aber vielleicht eine kürzere Zeit. Vielleicht kann ich dann auch im Ausland als Lehrerin arbeiten.