Lernen macht glücklich

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Jeder von uns lernt jeden Tag. Egal ob bei der Arbeit, während des Studiums, in der Schule, in Alltagssituationen, in Büchern oder im Internet: Überall sind wir Strömen von Informationen ausgesetzt, die unser Gehirn verarbeiten und abspeichern muss.

Lernen als vielseitiger Vorgang

Aber Lernen ist eine komplizierte Angelegenheit, denn wir lernen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, haben andere Interessen und verschiedene Auffassungsgaben. Das Lernen wird durch unsere Umgebung und unsere Erfahrungen geprägt, wenn wir jeden Tag aufs Neue mit unterschiedlichen Kulturen, Lebensstilen, Ritualen und persönlichen Herausforderungen konfrontiert werden. Manchmal lernen wir bewusst, etwa wenn wir uns auf Klausuren, Präsentationen oder Vorträge vorbereiten, ganz oft aber auch unbewusst, zum Beispiel durch Eindrücke, Erfahrungen, Gelingen und Versagen und das Leben im Allgemeinen.

Lernen ist also ein vielseitiger Vorgang, der für jeden von uns eine individuelle Herausforderung darstellt. Doch egal, wie leicht oder schwer uns das Lernen fällt, die Lust und Freude am Lernen und das Verlangen, sich immer wieder weiterzubilden, ist in jedem von uns gleichermaßen angelegt.

Lernen regt das Glückszentrum an

Wieso wir beim Lernen Freude empfinden und wieso dieses Gefühl so wichtig ist, damit beschäftigen sich Politiker, Pädagogen und verschiedenste wissenschaftliche Fachschaften. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Lernen in der Tat glücklich macht! Nach einer Erklärung von Prof. Dr. Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie in Ulm und Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik, hat Lernen eine positive Auswirkungen auf das Glückszentrum in unserem Gehirn. Nehmen wir uns unbekannte Informationen auf, „freut“ sich das Gehirn und das Lernzentrum wird aktiviert. Sobald das Lernzentrum in dieser Weise aktiv wird, wird das damit verbundene Glückszentrum angeregt und schüttet „Dopamin“ aus. Dopamin ist im Volksmund als das „Glückshormon“ bekannt und ist ein wichtiger Neurotransmitter, der die Motivation, Antriebssteigerung und weitere Lernprozesse anregt und im Körper gleichzeitig ein Glücksgefühl auslöst.

Abwertung hat weitreichende Folgen

Unser Gehirn „freut“ sich also, wenn wir es benutzen. Gleichzeitig hilft es uns, weitere Informationen aufzunehmen. Nach einer Studie des „Happiness-Institut“ von 2011, die von der Coca-Cola-Company in Auftrag gegeben wurde, empfinden besonders Erwachsene von 30 bis 45 Jahren dieses Glücksgefühl beim Lernen. Für Kinder hat Lebensfreude allerdings noch nicht so viel mit Lernen zu tun wie für Erwachsene, sondern eher mit Anerkennung und Erfolg. Nur jedes zweite der befragten Kinder empfand nach der Studie Freude am Lernen.

Oft liegt das jedoch auch daran, dass ihnen die Freude am Lernen durch negative Erfahrungen mit dem Schulsystem verdorben wird. Ein Erfolgsmoment im Matheunterricht, ausgelöst durch eine Aufgabe, die das Kind endlich gelöst hat, oder eine Formel, die plötzlich verstanden wurde, würde durch eine abwertende Bemerkung des Lehrers wieder zunichte gemacht werden. Ein abschätziges Feedback macht sogar weitere Bemühungen des Kindes im Fach Mathe unwahrscheinlicher, da das Kind dieses negative Empfinden viel eher als das positive für immer mit dem Fach Mathe in Verbindung bringt.

Sammeln Kinder also von Anfang an negative Erfahrungen in der Schule, merkt sich das Belohnungszentrum des Gehirns, dass Lernen ein schlechtes Gefühl oder sogar Angst auslöst. Daher wird es das Lernen so gut es geht vermeiden, um die Erinnerungen an diese schlechten Erfahrungen zu vergessen. Da uns negative Erinnerungen mindestens genauso stark in Erinnerung bleiben wie positive, ist es umso wichtiger, dass Kinder von Anfang an überwiegend gute Erfahrungen mit dem Lernen in der Schule assoziieren. Durch positive Erfahrungen beim Lernen regt das Belohnungszentrum ihres Gehirns sie dazu an, weiter zu lernen.

Kinder lernen vor allem durch Anerkennung

Eine Gruppe von Wissenschaftlern an der Universität Leiden fand außerdem heraus, dass bei Kindern bis 9 Jahren fast keine Lernprozesse über Kritik zu beobachten sind. Die Hirnareale, die für die kognitive Verarbeitung zuständig sind (Erkenntnis und Denken), arbeiten bei jüngeren Kindern anders als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Durch positives Feedback wird die Aktivität der Großhirnrinde immer erhöht, auf Kritik dagegen erfolgt kaum eine Reaktion. Die Hirnforscherin Eveline Crone und ihr Team vermuten, dass die Information: „Gut gemacht!“ für das Gehirn wesentlich einfacher zu verarbeiten ist als: „Diesmal hast du es falsch gemacht.“ Ältere Kinder sind schon besser in der Lage, aus Fehlern und kritischem Feedback zu lernen. Erwachsene tun dies noch effizienter.

Lob und Anerkennung vor allem in den ersten zehn Lebensjahren sind also eine gute Voraussetzung für lebenslange Freude am Lernen.

von Ilonka Lindenhain