Zwei Jungen im Gespräch mit ihrer Mutter

Zuwendung als Schlüssel für Lernmotivation

Deutsche Fernschule Pädagogische Artikel

 

Um es gleich vorwegzusagen: Motivation ist vielschichtig. Was den einen zu mehr Anstrengung motiviert, kann den anderen völlig entmutigen. Was mich heute dazu bringt, ausbrechen zu wollen, kann morgen zu dem Gedanken führen: „Jetzt beiße ich mich erst recht durch“. Motive variieren also von Person zu Person und können auch in unterschiedlichen Situationen und Zeiten anders sein.

Durch Zugehörigkeit motiviert

Ein Aspekt, der sich entscheidend auf die Lernmotivation eines Kindes auswirkt, ist die Beziehung zu Personen, die ihm nahestehen. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist uns Menschen eingegeben. Der Neurobiologe Gerald Hüther hält fest, dass Kinder eben nicht nur mit einer natürlichen Entdeckerfreude ausgestattet sind, sondern dass sie auch mit der Erwartung in die Welt gehen, „dass sie dort Menschen finden, denen sie sich zugehörig fühlen“.

Ein Beispiel: Der 18 Monate alte Hannes sucht Augenkontakt zu seiner Mutter. Er wartet, bis sie ihn ansieht; erst dann versenkt er den Kreis im Formenwürfel … und sieht sofort wieder zur Mutter herüber. Ihr stolzer Blick bringt ihn zum Strahlen und spornt ihn dazu an, sich an der schwierigeren Sternform zu versuchen.

Nicht in jedem Moment bekommt Hannes die Aufmerksamkeit, die er sich wünscht. Diese Erfahrung wird er umso öfter machen, je älter er wird. Für eine gesunde Entwicklung ist es sogar wichtig, dass er lernt, damit umzugehen.

 

Sowohl Eltern als auch Pädagogen fordern Kinder mit zunehmendem Alter immer stärker auf, sich selbst Ziele zu stecken und sie für sich selbst zu erreichen. Kinder im Grundschulalter sind noch mitten in diesem Prozess. Für sie ist es entscheidend, dass ihre Eltern sie sehen, wenn sie gemeinsam lernen. Anders als Kleinkinder äußern sie dieses Bedürfnis aber nicht mehr direkt, sondern reagieren womöglich mit Lernunlust, wenn sie sich unbeachtet fühlen.

Die Zeitschrift Eltern Family hat in der Schulserie „Erfolgreich lernen“ praktische Tipps zusammengestellt, wie Eltern ihr Kind mit kleinen Signalen motivieren können. Dort heißt es zum Beispiel: „Zuwendung ist der Schlüssel! Gemeinsam lernen bringt mehr, wenn sich die Eltern ihrem Kind zu Beginn und immer wieder zwischendurch zuwenden.“

Beispiele aus dem Fernunterricht

Manche Teilnehmer der Fernschule haben ganz eigene Rituale entwickelt, um dem Bedürfnis ihrer Kinder nach Nähe und Gemeinschaft zu begegnen: Sie beginnen den Fernunterricht mit einem gemeinsamen Lied; anschließend hört die Mutter ihrem Sohn zu, während er kurz wiederholt, was er gestern gelernt hat. Sogar von gemeinsamen „Schulausflügen“ ins Museum oder von „Klassenfahrten“ berichten Fernschulfamilien. In anderen Fällen haben Eltern erlebt, wie ein Tipp der persönlichen Betreuungslehrerin einen regelrechten Motivationsschub bei ihrem Kind bewirkt.

Ihre Lehrkraft bei der Deutschen Fernschule macht sich gern mit Ihnen gemeinsam Gedanken darüber, was Ihr Kind zum Lernen braucht. Bitte sprechen Sie sie bei Bedarf an.

von Helene Wiebe